Nachdem wir im Deutschunterricht verschiedene literarische Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert gelesen haben, haben wir uns der Literaturtheorie hintern diesen Büchern gewidmet. Dabei kam der Unterschied zwischen traditioneller Literatur und moderner Literatur. All unsere gelesenen Texte konnten in diese zwei Epochen eingeordnet werden. Literatur ist immer ein Spiegel der Zeit und Realität, in der sie entsteht. Deshalb unterscheiden sich die Themen traditioneller und moderner Literatur deutlich, da sich auch die Lebensrealität der Menschen über die Jahre stark verändert hat.
In der traditionellen Literatur ist eines der Hauptmerkmale die Figurengestaltung. Diese grenzt sich von der modernen Literatur dadurch ab, dass es sich bei der traditionellen um feste Figuren handelt. Diese Figuren sind von ihren Charaktereigenschaften bestimmt, diese sind einheitlich und haben gewisse Dauerhaftigkeit. In der traditionellen Literatur standen häufig feste Werte und gesellschaftliche Strukturen im Mittelpunkt. Ein Beispiel für traditionelle Literatur ist der Text "ein Doppelgänger" von Theodor Storm. In dem Text werden gesellschaftliche Probleme angesprochen, doch die Figur John bleibt als Charakter die ganze eine feste Figur. Am Ende des Buches wird die Handlung abgeschlossen und das Ende ist in sich geschlossen. Dieser Stil war für die traditionelle Literatur typisch, da man dadurch etwas mitnehmen soll. Der Autor wollte so moralische Werte übermitteln.
Neben der Figurengestaltung ist die Wirklichkeitsgestaltung auch ein wichtiges Merkmal. Zudem wird die Realität in der Literatur adäquat abgebildet, die Literatur greift auf das Prinzip der Mimesis zurück. Die Handlung des Textes erfolgt einer logischen Abfolge. Die fiktive Welt des Romans bekommt somit viele reale Tatsachen, die sich von der Realität widerspiegeln und durch welche der Leser einen besseren Bezug aufbauen kann.
Ander sieht es in der modernen Literatur aus. In dieser lösen sich die festen Figuren auf und die Hauptfiguren tendieren zu Identitätsverlust. Beispiele dafür sind "die Ermordung einer Butterblume" und "der Prozess". Bei beiden kann man sagen, dass die Hauptfiguren am Ende an sich selber Zweifeln und den inneren Konflikt mit sich selber nicht lösen konnten. Das Ende wirkt dadurch für den Leser auch nicht abgeschlossen wie bei "ein Doppelgänger" und ist daher schwieriger zu verstehen. Auch die Wirklichkeitsgestaltung verändert sich in der modernen Literatur. Eine kohärente Wirklichkeit soll hier in der Literatur nicht mehr dargestellt werden. Die Literatur entfernt sich davon, Handlungen uns Situationen möglichst realitätstreu darzustellen und will sie stattdessen, möglichst als erfunden darzustellen.
Literatur befindet sich in einem stetigen Wandel. Sie entwickelt sich mit der Gesellschaft, reagiert auf historische Umbrüche und spiegelt die Denkweisen ihrer Zeit wider. Während frühere literarische Werke häufig von festen Wertvorstellungen, klaren Ordnungen und einem starken Gemeinschaftsgefühl geprägt waren, zeigt sich in der modernen Literatur ein deutlich veränderter Blick auf den Menschen und seine Umwelt. Diese Entwicklung vollzog sich nicht plötzlich, sondern über viele Jahrzehnte hinweg, begleitet von verschiedenen historischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Der Übergang von traditioneller zu moderner Literatur macht sichtbar, wie sehr sich nicht nur literarische Formen, sondern auch das Verständnis von der Realität und dem Zusammenleben gewandelt hat.
In der traditionellen Literatur standen feste Werte und klar strukturierte gesellschaftliche Ordnungen im Zentrum. Themen wie Ehre und Pflicht gegenüber Familie, Staat oder Gott spielten eine zentrale Rolle. Religion und Glaube dienten häufig als moralischer Maßstab, an dem sich das Handeln der Figuren orientierte. Auch Nation, Heimat und Gemeinschaft hatten einen hohen Stellenwert. Die Rollenbilder waren meist eindeutig: Der Mann galt als Versorger, die Frau als Hüterin des Hauses. Individuelle Wünsche traten zugunsten des Gemeinwohls zurück. Konflikte entstanden vor allem dann, wenn diese bestehende Ordnung infrage gestellt wurde. Literatur erfüllte dabei oft eine erzieherische Funktion.
Die moderne Literatur hingegen verschiebt den Fokus deutlich auf den einzelnen Menschen. Zentrale Themen sind Identität, Selbstfindung sowie Entfremdung und Einsamkeit, oft verstärkt durch moderne Vernetzung und digitale Medien. Technik, Digitalisierung und soziale Medien werden ebenso reflektiert wie psychische Belastungen, Sinnkrisen und Überforderung. Auch große gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel, Migration oder Leistungsdruck finden Eingang in literarische Texte. Anstelle klarer Werte treten Unsicherheit und Zweifel. Figuren wissen häufig selbst nicht, was richtig oder falsch ist, und Konflikte bleiben nicht selten ungelöst. Moderne Literatur befasst sich mit komplexen gesellschaftliche Fragen, auf die es oftmals keine einfachen Antworten mehr gibt.
Dieser Wandel hängt eng mit historischen Entwicklungen zusammen. Industrialisierung und Urbanisierung veränderten Lebensweisen grundlegend. Die Weltkriege führten zu einem tiefen Vertrauensverlust in traditionelle Ideale. Gleichzeitig nahm die Individualisierung der Gesellschaft zu, während technischer Fortschritt und soziale Medien neue Herausforderungen mit sich brachten. Die Welt wurde komplexer, widersprüchlicher und schwerer zu überblicken – und genau das spiegelt sich in der modernen Literatur wider.